
Es könnte so schön sein:
Ein entspannter Spaziergang an der frischen Luft, die Sonne scheint und dein Hund läuft locker an deiner Seite.
Die Realität in den ersten zwei Hundejahren sieht oft anders aus:
Der Arm wird immer länger, die Leine ist dauerhaft auf Zug und das Gassi gehen gleicht einem Krafttraining.
Leinenführigkeit trainieren gehört zu den größten Herausforderungen für Hundehalter.
Die gute Nachricht: Jeder Hund kann lernen, an lockerer Leine zu laufen!
In diesem Ratgeber erfährst du, warum Hunde überhaupt an der Leine ziehen,
wie du die häufigsten Fehler vermeidest und mit welchen spielerischen Übungen
du die perfekte Leinenführigkeit von Anfang an aufbaust.
Bevor wir mit dem Training starten, müssen wir die Welt aus den Augen des Hundes sehen.
Hunde ziehen nicht, um uns zu ärgern oder um die Weltherrschaft zu übernehmen.
Die Hauptgründe sind meistens viel simpler:
Höheres Gehtempo:
Die natürliche Gehgeschwindigkeit eines Hundes ist fast doppelt so schnell wie die eines Menschen.
Er muss sich also aktiv anpassen, um langsam zu gehen.
Die Umwelt ist spannend:
Düfte, andere Hunde, Blätter im Wind – alles zieht den Hund magisch an.
Wenn er merkt, dass er durch Ziehen an sein Ziel kommt, wird er es immer wieder tun.
Fehlende Impulskontrolle:
Junghunde müssen erst lernen, ihren inneren Drang
("Ich will sofort da hin!")
zu kontrollieren.
Bevor du das erste Mal entspannt an der Leine laufen übst, brauchst du das passende Werkzeug.
Für das Training der Leinenführigkeit bei Welpen und Junghunden hat sich eine klare Regel bewährt:
Das Gut-Sitzende Brustgeschirr:
Solange dein Hund noch zieht, gehört die Leine an ein Geschirr.
Ein Zug auf das Halsband kann empfindliche Halswirbel und die Luftröhre schädigen.
Die Führleine:
Nutze eine normale, 2 bis 3 Meter lange Führleine.
Verzichte in der Trainingsphase komplett auf Rollleinen (Flexileinen),
da diese permanent einen leichten Zug aufbauen.
Der Hund lernt dadurch fälschlicherweise:
Zug auf dem System ist normal.
Es gibt nicht die eine Methode, die bei jedem Hund sofort funktioniert.
Jeder Hund lernt anders.
Hier sind die drei effektivsten Ansätze für das
Leinenführigkeit Training zuhause und beim Spaziergang.
Sobald sich die Leine strafft, wirst du zur Statue.
Du bleibst sofort stehen und bewegst dich keinen Zentimeter weiter.
Was passiert?
Der Hund merkt: "Wenn ich ziehe, geht es nicht weiter."
Wann geht es weiter?
Erst, wenn der Hund von sich aus die Leine lockert
(z. B. weil er sich zu dir umdreht oder einen Schritt zurückgeht).
Sobald die Leine locker durchhängt, geht es sofort weiter.
Wenn dein Hund dich überholt und kurz davor ist, die Leine zu straffen,
drehst du dich wortlos um 180 Grad um und gehst in die entgegengesetzte Richtung.
Was passiert?
Der Hund lernt, dass es sich nicht lohnt, stur nach vorne zu stürmen.
Er muss lernen, dich im Augenwinkel zu behalten, weil du jederzeit die Richtung ändern könntest.
Wichtig:
Rucke dabei niemals an der Leine! Gehe einfach bestimmt in die neue Richtung.
Wann immer dein Hund auf deiner Höhe läuft und dich freiwillig anschaut, gibt es ein Lobwort ("Fein!")
und sofort ein Leckerli direkt an deinem Bein.
Dadurch lernt der Hund:
An der Seite meines Menschen zu laufen, ist der spannenste Ort der Welt.

Die Konzentration eines Junghundes ist nach wenigen Minuten aufgebraucht.
Trainiere die Leinenführigkeit lieber 3- bis 4-mal täglich für jeweils nur 2 bis 5 Minuten,
anstatt einen kompletten 45-Minuten-Spaziergang durchzuziehen.
Das überfordert das Gehirn deines Hundes.
Hunde verstehen keine Ausnahmen.
Wenn dein Hund am Dienstag an der Leine ziehen darf, weil du es eilig hast,
versteht er am Mittwoch nicht, warum er es plötzlich nicht mehr darf.
Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg.
Schon ab der ersten Woche im neuen Zuhause!
Beginne die ersten Schritte spielerisch in der Wohnung oder im Garten, wo es keine Ablenkung gibt.
Erst wenn es dort klappt, steigerst du die Reize draußen auf der Straße.
Das ist ein Problem der Reizüberflutung und der Frustrationstoleranz.
Vergrößere in solchen Situationen den Abstand zum anderen Hund so weit,
bis dein Hund wieder ansprechbar ist und füttere ihn in diesem Moment hochwertig
("Schönfüttern").
Das hängt vom Alter des Hundes und deiner Konsequenz ab.
Bei Welpen zeigt sich oft nach 2 bis 3 Wochen intensivem Training ein toller Erfolg.
Bei älteren Junghunden, die sich das Ziehen bereits angewöhnt haben, kann es mehrere Monate dauern.
Bleib dran, es lohnt sich!
Entspannt an der Leine Gassi gehen ist keine Frage von Dominanz oder Härte.
Es ist eine Frage von klarer Kommunikation und Geduld.
Setze dich nicht unter Druck, wenn es mal einen Tag nicht klappt.
Jeder Rückschritt ist nur eine Erinnerung daran, das Training wieder etwas kleinschrittiger aufzubauen.
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